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Länderporträts
Internationale Mitarbeiterbefragung

Arbeitszufriedenheit und Führungsstile im internationalen Vergleich


Im Rahmen einer überbetrieblichen internationalen Mitarbeiterbefragung hat das geva-institut 11.000 Berufstätige aus 25 Ländern zu verschiedenen Merkmalen ihrer Arbeitszufriedenheit sowie zum bevorzugten Führungsstil befragt. 

In unseren Länderporträts stellen wir Ihnen regelmäßig Auszüge aus den Befragungsergebnissen zu den Themen Arbeitszufriedenheit und Führungsstil in einem bestimmten Land vor.

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Internationale Mitarbeiterbefragung USA

Länderporträt USA


Arbeitszufriedenheit und Führungsstil


  • Drei Viertel der Befragten sind mit ihrer beruflichen Tätigkeit zufrieden
  • Vergütung gehört nicht zu den Top-5-Merkmalen der Arbeitszufriedenheit
  • Soft Skills werden als Führungsqualitäten angesehen
  • Wenig Bereitschaft zur internationalen Mobilität


Die USA stehen unter den 25 Befragungsländern der internationalen geva-Studie nach Mexiko und der Schweiz an dritter Stelle, was die allgemeine Arbeitszufriedenheit ihrer erwerbstätigen Bürger betrifft. Deutschland nimmt Rang 6 ein, Großbritannien Platz 13. China (23.), Südkorea (24.) und Japan (25.) bilden das Schlusslicht.

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Internationale Mitarbeiterbefragung USA.

Allgemeine Arbeitszufriedenheit
Drei Viertel der befragten Erwerbstätigen in den Vereinigten Staaten sind mit ihrer beruflichen Tätigkeit und den Inhalten ihrer Arbeit zufrieden bis sehr zufrieden. Darüber hinaus zeigen sich rund 70 Prozent der US-amerikanischen Studienteilnehmer mit ihrem Handlungs- und Entscheidungsspielraum, der Zusammenarbeit mit ihren Kollegen sowie der persönlichen Beziehung zu ihrer Führungskraft zufrieden. Leider sind diese Zufriedenheitsmerkmale nur für etwa jeden Fünften tatsächlich entscheidend. Knapp die Hälfte der Amerikaner bewertet stattdessen die Jobsicherheit als einen der wichtigsten Faktoren der persönlichen Arbeitszufriedenheit, weitere 45 Prozent setzen das Betriebsklima mit an die Spitze ihrer Prioritätenliste. Mit diesen beiden Faktoren in ihrem Berufsleben auch tatsächlich zufrieden sind nur etwa 60 Prozent der Befragten.

Während in den meisten der 25 untersuchten Ländern die Vergütung von der Mehrheit der Befragten unter den Top-5-Merkmalen der Arbeitszufriedenheit rangiert, gehört die Bezahlung nur für 27 Prozent der Amerikaner zu den fünf wichtigsten Kriterien. Und dies, obwohl mehr als die Hälfte der Befragten mit dem bezogenen Gehalt eigentlich nicht zufrieden ist. Deutlich besser schneidet in den Augen der amerikanischen Erwerbstätigen die Work-Life-Balance ab: 70 Prozent sind mit dem Verhältnis Arbeit-Freizeit zufrieden, 63 Prozent finden die Arbeitsbelastung in ihrem Job angemessen. Das ist für die US-Bürger besonders erfreulich, da jeder Zweite angibt, dass ihm Familie und Freizeit wichtiger als die Arbeit sind.

Berufliche Einstellung
63 Prozent der erwerbstätigen US-Bürger scheinen sich keine großen Sorgen um die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes zu machen. Dem liegt vermutlich zu Grunde, dass die Mehrheit (67 Prozent) der Befragten überzeugt ist, jederzeit schnell eine neue Stelle finden zu können. Aufgrund dieser optimistischen Einschätzung überrascht es auch nicht, dass nur wenige Erwerbstätige dazu bereit wären, einen schlechter bezahlten Job anzunehmen, um beispielsweise Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder sich eine bessere berufliche Zukunft zu schaffen. Zum Vergleich: In Deutschland würde zumindest jeder Zweite unter diesen Voraussetzungen eine geringere Vergütung akzeptieren. Hierzulande rechnen aber auch nur 45 Prozent damit, im Falle eines Jobverlustes leicht eine neue Stelle angeboten zu bekommen.

Schnell Karriere zu machen, ist für fast jeden zweiten US-Amerikaner ein berufliches Ziel. Was dafür in Kauf genommen wird, ist jedoch im Vergleich zu vielen anderen Ländern eher wenig. Zwar geben 70 Prozent an, im Job gewöhnlich mehr zu leisten, als von ihnen erwartet wird. Aber nur 41 Prozent würden beispielsweise eigenes Geld oder Freizeit in ihr berufliches Fortkommen investieren. Und nur jeder Vierte wäre bereit, den Wohnort zu wechseln, um zügiger auf der Karriereleiter emporzuklettern.

Führungsstil
Soft Skills haben bei den US-Amerikanern einen hohen Stellenwert: 81 Prozent der befragten Angestellten heißen es gut, wenn ihr Vorgesetzter auf seine Intuition vertraut. Darüber hinaus sollte er stets nach Konsens streben und Wert auf Gleichbehandlung, Solidarität und ein gutes Betriebsklima legen. Weitere 63 Prozent sind der Meinung, dass Führungskräfte ihren Mitarbeitern nur grundlegende Handlungsrichtlinien vorgeben sollten.

Daneben wird aber auch eine gewisse Führungsstärke geschätzt: Drei von vier Befragten erwarten, dass ihr Vorgesetzter in jeder Situation souverän auftritt. 69 Prozent setzen generell voraus, dass eine Führungskraft entscheidungsfreudig und durchsetzungsfähig ist. Knapp 40 Prozent erwarten sogar, dass sich Vorgesetzte in ihrem Handeln nicht von abweichenden Vorstellungen oder äußeren Veränderungen beeinflussen lassen.

Auch Weitsicht gehört für die Erwerbstätigen in den USA zu den grundlegenden Führungsqualitäten: Drei von vier Befragten geben an, dass Führungskräfte zukunftsorientiert handeln sollten und nicht nur kurzfristige Unternehmensziele ins Auge fassen dürfen. Dementsprechend befürwortet nur jeder Fünfte, dass eine Führungskraft ihre Entscheidungen auch spontan treffen darf und ihr Handeln nicht zwangsläufig auf die Zukunft auszurichten braucht.

Karrierefaktoren
Als Karriere-Pusher gelten in den USA vor allem die eigene Arbeitsleistung, die berufliche Erfahrung und das Fachwissen. Als wenig bedeutend werden Sprachkenntnisse, die gesellschaftliche Stellung, familiäre Herkunft oder die Religion erachtet.

Internationale Mobilität
Bereitschaft zur internationalen Mobilität ist unter den US-Bürgern wenig vorhanden. Nur 42 Prozent der Befragten wären bereit, für ein ausländisches Unternehmen zu arbeiten. Damit bilden die Vereinigten Staaten im internationalen Vergleich vor China und Taiwan das Schlusslicht. Stehen verschiedene ausländische Arbeitgeber zur Auswahl, kämen für die US-Amerikaner vorrangig Unternehmen in oder aus englischsprachigen Ländern in Frage. So würden 67 Prozent für ein britisches Unternehmen in den USA oder auch direkt in Großbritannien arbeiten, rund 60 Prozent würden einen kanadischen Arbeitgeber wählen. 48 Prozent würden nach Australien ziehen. Rund 40 Prozent könnten sich zumindest im eigenen Land auch einen japanischen oder deutschen Arbeitgeber vorstellen. Aus beruflichen Gründen nach Deutschland oder Japan umziehen würden 36 bzw. 27 Prozent.