Mehr zum Thema




Länderporträts
Internationale Mitarbeiterbefragung

Arbeitszufriedenheit und Führungsstile im internationalen Vergleich


Im Rahmen einer überbetrieblichen internationalen Mitarbeiterbefragung hat das geva-institut 11.000 Berufstätige aus 25 Ländern zu verschiedenen Merkmalen ihrer Arbeitszufriedenheit sowie zum bevorzugten Führungsstil befragt. 

In unseren Länderporträts stellen wir Ihnen regelmäßig Auszüge aus den Befragungsergebnissen zu den Themen Arbeitszufriedenheit und Führungsstil in einem bestimmten Land vor.

Aktuelles Länderporträt: Tschechien / Bulgarien

Länderporträts im Archiv:
Japan
Polen
Spanien
USA
Frankreich
Indien
China
Schweiz
Deutschland
Schweden
 
Internationale Mitarbeiterbefragung Spanien

Länderporträt Spanien


Arbeitszufriedenheit und Führungsstil


  • Vergütung, Betriebsklima, Work-Life-Balance und die allgemeinen Arbeitsbedingungen beeinflussen Arbeitszufriedenheit am stärksten
  • Hohe Karriereambitionen
  • Vorgesetzte mit Führungsstärke genießen das größte Ansehen


Allgemeine Arbeitszufriedenheit
Zu den Faktoren, die von den Spaniern als wichtig für ihre allgemeine Arbeitszufriedenheit erachtet werden, gehören in erster Linie die Vergütung, das Betriebsklima, die Work-Life-Balance und die Arbeitsbedingungen: 68 Prozent der Befragten machen ihre Arbeitszufriedenheit von der Bezahlung abhängig, allerdings ist nur jeder Dritte auch wirklich mit dem, was er verdient, zufrieden. Das Betriebsklima empfinden 62 Prozent als angenehm, die Arbeitsbedingungen 59 Prozent und die Work-Life-Balance immerhin noch 47 Prozent. Kein Wunder, dass die Spanier bei einem Unternehmenswechsel hinsichtlich dieser vier Faktoren auch die größte Steigerung ihrer Zufriedenheit erwarten würden.


Internationale Mitarbeiterbefragung Spanien.

Im Vergleich zu Deutschland fällt in der spanischen Erwerbsbevölkerung vor allem die Bewertung des eigenen Handlungs- und Entscheidungsspielraums gering aus: Während in Deutschland nicht einmal 10 Prozent über zu wenig Spielraum klagen, ist dies in Spanien fast jeder Fünfte. 22 Prozent sind zudem mit der Arbeitsorganisation im Unternehmen unzufrieden, unter den Deutschen sind dies nur 12 Prozent. Ebenfalls zu wünschen übrig lässt in Spanien die Zusammenarbeit mit den Kollegen oder auch mit anderen Abteilungen. Nur mit dem direkten Vorgesetzten scheint die Kooperation besser zu klappen.

Auch kann sich nur jeder zweite Spanier mit seinem Unternehmen identifizieren, während in Deutschland etwa 60 Prozent eine hohe Identifikation mit ihrem Arbeitgeber verspüren. Eine gleichermaßen hohe Zustimmung bei Spaniern und Deutschen besteht für die Qualitäts- und Kundenorientierung im Unternehmen.

Berufliche Einstellungen
Die Einstellung zu den Themen Jobsicherheit und die eigene berufliche Zukunft fällt in Deutschland und Spanien recht unterschiedlich aus: Während beispielsweise jeder zweite Deutsche es akzeptieren würde, weniger Geld zu erhalten und mehr zu arbeiten, dafür aber eine bessere berufliche Zukunft zu haben, käme dies nur für 16 Prozent der Spanier in Frage. Auch die Annahme eines schlechter bezahlten Jobs, um der Arbeitslosigkeit zu entgehen, ist zwar für jeden zweiten Deutschen, aber nur für jeden dritten Spanier, das kleinere Übel. Gleichermaßen würden 30 Prozent der Deutschen, aber nur 20 Prozent der Spanier, für einen langfristig sicheren Arbeitsplatz ein geringeres Gehalt akzeptieren.

Größere Karriereambitionen scheinen jedoch die Spanier zu haben: 47 Prozent setzen alles daran, um auf der Karriereleiter möglichst schnell voran zu kommen. 49 Prozent würden auch das Unternehmen wechseln, sobald sich eine gute Chance bietet. Und 43 Prozent investieren eigenes Geld und Zeit in ihr berufliches Fortkommen. Unter den Deutschen sind nur 27 Prozent an einer möglichst schnellen Karriereentwicklung interessiert und auch nur jeder Dritte würde bereitwillig das Unternehmen wechseln oder Geld und Freizeit für seine berufliche Entwicklung opfern.

Führungsstil
Sehr viel mehr Spanier als Deutsche wünschen sich einen Vorgesetzten mit Führungsstärke. 68 Prozent stimmen der Aussage zu, dass eine Führungskraft eindeutige Anweisungen geben sollte und sich darüber hinaus in ihrem Handeln nicht von abweichenden Vorstellungen oder äußeren Veränderungen beeinflussen lässt. In Deutschland werten nur 41 Prozent diese Eigenschaften als Führungsqualitäten.

Im Gegensatz dazu steht, dass unter den Spaniern nur jeder Zweite der Auffassung ist, dass eine Führungskraft entscheidungsfreudig und durchsetzungsfähig sein sollte. Genauso viele verlangen von ihrem Chef, dass er Wert auf Wettbewerbsorientierung und Leistung legt. Unter deutschen Mitarbeitern stoßen diese Eigenschaften bei 80 Prozent auf Zustimmung. Auch die Frage, ob die Leistung eines Mitarbeiters für den Vorgesetzten eine größere Rolle spielen muss als die persönliche Beziehung zu ihm, bejaht nur die Hälfte der Spanier, aber drei von vier Deutschen.

Sehr viel weniger anspruchsvoll als die Deutschen sind die Spanier hinsichtlich des Verhaltens ihrer Führungskräfte: Während hierzulande 82 Prozent verlangen, dass sich ihr Chef immer souverän verhält, ist dies in Spanien nur für jeden Zweiten von Bedeutung. Obwohl drei Viertel der spanischen Befragten von ihrem Chef eine tolerante Haltung erwarten, denkt doch nur jeder Fünfte, dass sich Vorgesetzte dem Urteil einer anonymen Mitarbeiterbefragung aussetzen würden. In Deutschland traut dies zumindest jeder Dritte den Führungskräften in seinem Unternehmen zu.

Karrierefaktoren
In Spanien scheinen die Arbeitsleistung, die berufliche Erfahrung, gute Beziehungen beziehungsweise Empfehlungen anderer sowie Intelligenz und Fachwissen die Beschleunigungsfaktoren einer Karriere zu sein. Als weniger bedeutsam erachten die spanischen Befragten Soft Skills wie Fairness und Teamgeist oder interkulturelle Kompetenzen.

Internationale Mobilität
Hätten sie die Wahl zwischen verschiedenen ausländischen Arbeitgebern, würden mehr als die Hälfte der Spanier ein amerikanisches, ein deutsches oder ein englisches Unternehmen wählen. Für einen beruflich bedingten Auslandsaufenthalt kämen für die meisten England, Frankreich, die USA und Italien in Frage. Nach Deutschland würden immerhin 44 Prozent der Spanier ziehen.