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Länderporträts
Internationale Mitarbeiterbefragung

Arbeitszufriedenheit und Führungsstile im internationalen Vergleich


Im Rahmen einer überbetrieblichen internationalen Mitarbeiterbefragung hat das geva-institut 11.000 Berufstätige aus 25 Ländern zu verschiedenen Merkmalen ihrer Arbeitszufriedenheit sowie zum bevorzugten Führungsstil befragt. 

In unseren Länderporträts stellen wir Ihnen regelmäßig Auszüge aus den Befragungsergebnissen zu den Themen Arbeitszufriedenheit und Führungsstil in einem bestimmten Land vor.

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Internationale Mitarbeiterbefragung Indien

Länderporträt Indien


Arbeitszufriedenheit und Führungsstil


  • Gute Zusammenarbeit wichtig für Arbeitszufriedenheit
  • Hohes Bestreben, schnell Karriere zu machen
  • Gewünscht sind souveräne Führungskräfte, die klare Anweisungen geben
  • USA ist Favorit für Tätigkeit im Ausland


Allgemeine Arbeitszufriedenheit
63 Prozent der Inder sind mit dem Betriebsklima in ihrem Unternehmen zufrieden, was zu einem Großteil sicherlich auch an der guten Zusammenarbeit mit den Kollegen (72 Prozent), mit der direkten Führungskraft (66 Prozent) und mit anderen Abteilungen (59 Prozent) liegt. Auch den Informationsfluss sowie die Wertschätzung der eigenen Arbeit empfinden 57 bzw. 55 Prozent als zufriedenstellend - zwei Faktoren, die im Wesentlichen ebenfalls auf die gute Zusammenarbeit zurückzuführen sind.


Internationale Mitarbeiterbefragung Indien.

Groß geschrieben wird im dienstleistungsstarken Indien - im Gegensatz zu vielen anderen Ländern - die Kunden- und Qualitätsorientierung: Über 70 Prozent der Befragten zeigen sich zufrieden damit, wie in ihrem Unternehmen Kunden behandelt werden, und stehen zudem hinter der Qualität der Produkte. Daher erstaunt es auch nur wenig, dass sich die große Mehrheit von 68 Prozent sehr stark mit ihrem Unternehmen identifizieren kann und auch das Unternehmensimage in der Öffentlichkeit gutheißt.

Berufliche Einstellungen
Das Bestreben, Karriere zu machen, ist in Indien besonders hoch ausgeprägt: 71 Prozent der befragten Inder, aber nur 28 Prozent der Deutschen, würden alles daran setzen, um möglichst schnell Karriere zu machen. Dementsprechend würden auch 58 Prozent der Inder - gegenüber nur 31 Prozent der Deutschen - das Unternehmen wechseln, sobald sich für sie eine bessere Chance ergibt. Damit verbunden ist in erster Linie die Hoffnung, eine bessere Bezahlung zu erhalten. Diese relativ "lockere" Einstellung zum Thema Jobwechsel resultiert sicherlich auch aus dem Optimismus, immer leicht einen Job finden zu können: Denn 72 Prozent der Inder sind überzeugt, nach einem Jobverlust schnell wieder einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Derart optimistisch sind in Deutschland nur 45 Prozent. Daher würden auch sehr viel mehr Deutsche als Inder einen schlechter bezahlten Job annehmen, um entweder der Arbeitslosigkeit zu entgehen oder aber um grundsätzlich eine bessere berufliche Zukunft zu haben.

Darüber hinaus investieren 55 Prozent der karriereambitionierten Inder, aber nur jeder Dritte in Deutschland, eigenes Geld und Freizeit in seine berufliche Entwicklung. Das große Interesse der Inder, beruflich vorankommen zu wollen, zeigt sich auch in ihrer relativ hohen Bereitschaft zur Mobilität: 56 Prozent würden aus diesem Grund den Wohnort wechseln. Unter den Deutschen käme ein jobbedingter Umzug nicht einmal für jeden Dritten in Frage.

Führungsstil
Vier von fünf Beschäftigten in Indien sind der Ansicht, dass eine Führungskraft in jeder Situation ein souveränes Verhalten an den Tag legen sollte. Darüber hinaus sollte sie den Mitarbeitern eindeutige Anweisungen geben können und sich in ihrem Handeln nicht von abweichenden Vorstellungen oder äußeren Veränderungen beeinflussen lassen (63 Prozent). In Deutschland werden klare Anweisungen und Unbeirrbarkeit im Handeln nur von 41 Prozent der Befragten als Führungsqualitäten gewertet. Darüber hinaus sind 84 Prozent der Inder der Meinung, ihr Chef sollte entscheidungsfreudig und durchsetzungsfähig sein.

Aber auch weichere Faktoren machen in Indien einen guten Chef aus. 82 Prozent stimmten der Aussage zu, dass sich eine Führungskraft durchaus von ihrer Intuition leiten lassen und nach Konsens streben sollte. Daneben sollten Vorgesetzte Wert auf Gleichbehandlung, Solidarität und ein gutes Betriebsklima legen. In dieser Hinsicht liegen Inder und Deutsche etwa auf der gleichen Wellenlänge.

Den Chef zu kritisieren, können sich dagegen nur 46 Prozent der indischen Befragten vorstellen - hier zeigen sich die Deutschen mit 55 Prozent schon etwas mutiger. Allerdings trauen 52 Prozent der Inder, aber nur 35 Prozent der Deutschen, ihrem Chef zu, dass er kritikfähig genug ist, um seine Führungsleistungen in einer Mitarbeiterbefragung bewerten zu lassen.

Karrierefaktoren
Als Karrierefaktoren gelten in Indien in erster Linie die eigene Arbeitsleistung (70 Prozent), die berufliche Erfahrung (59 Prozent), die Führungsqualitäten und die Intelligenz (beide 55 Prozent). Als kaum bedeutend werden dagegen der gesellschaftliche Status, die familiäre Herkunft oder die Religion erachtet (10 bzw. 7 Prozent).

Internationale Mobilität
In Indien ist eine starke Affinität zu den Vereinigten Staaten zu spüren. So würden 92 Prozent der Inder ein amerikanisches Unternehmen bevorzugen, wenn sie für einen ausländischen Arbeitgeber tätig werden sollen. An zweiter Stelle stehen britische Firmen.

Auch für einen beruflichen Auslandsaufenthalt würde die große Mehrheit die USA wählen. Weitere beliebte Ziele wären Großbritannien, Australien und Kanada.