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Länderporträts
Internationale Mitarbeiterbefragung

Arbeitszufriedenheit und Führungsstile im internationalen Vergleich


Im Rahmen einer überbetrieblichen internationalen Mitarbeiterbefragung hat das geva-institut 11.000 Berufstätige aus 25 Ländern zu verschiedenen Merkmalen ihrer Arbeitszufriedenheit sowie zum bevorzugten Führungsstil befragt. 

In unseren Länderporträts stellen wir Ihnen regelmäßig Auszüge aus den Befragungsergebnissen zu den Themen Arbeitszufriedenheit und Führungsstil in einem bestimmten Land vor.

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Internationale Mitarbeiterbefragung Frankreich

Länderporträt Frankreich


Arbeitszufriedenheit und Führungsstil


  • Vergütung ist wichtigstes Merkmal der Arbeitszufriedenheit, aber nur jeder vierte Franzose ist mit Bezahlung tatsächlich zufrieden
  • Für die eigene Karriere würden die meisten Franzosen den Wohnort wechseln, aber nur wenige würden eigenes Geld und Zeit investieren
  • Vorgesetzte brauchen Führungsstärke und souveränes Verhalten
  • Hierarchien werden von französischen Mitarbeitern weitestgehend akzeptiert

 

Wenn es um die Zufriedenheit von Erwerbstätigen mit ihrer Arbeit geht, fällt das Urteil der Franzosen vergleichsweise kritisch aus: Mit Platz 18 befindet sich unser Nachbarland im unteren Drittel der Rangliste, die von Mexiko, der Schweiz und den USA angeführt wird. Deutschland steht an sechster Stelle. Spanien, Italien und Belgien belegen die Plätze 15 bis 17.


Internationale Mitarbeiterbefragung Frankreich.

Allgemeine Arbeitszufriedenheit

Knapp 73 Prozent der Franzosen bewerten die Vergütung als eines der wichtigsten Merkmale für ihre persönliche Zufriedenheit im Job. Allerdings hält nur knapp jeder Vierte die Bezahlung durch seinen Arbeitgeber für angemessen. Daher glauben ebenfalls 73 Prozent der Befragten, dass sie mit der Vergütung zufriedener wären, wenn sie für ein anderes Unternehmen arbeiten würden. In Deutschland ist zumindest jeder Dritte mit seiner Bezahlung zufrieden.

Weitere entscheidende Faktoren der allgemeinen Arbeitszufriedenheit sind für die Franzosen ihre Arbeitsbedingungen und die Sicherheit ihrer Arbeitsstelle (Jobsicherheit). Beide Merkmale bewertet zumindest jeder Zweite - in Deutschland etwas über 60 Prozent der Befragten - positiv. Auch der Handlungs- und Entscheidungsspielraum, der ihnen zugewiesen wird, stellt 68 Prozent der Franzosen zufrieden, wobei dieser Faktor nicht einmal von jedem Vierten als entscheidend für seine Arbeitszufriedenzeit betrachtet wird. Besonders gut scheint in Frankreich allerdings die Zusammenarbeit mit den Kollegen zu klappen, wie drei Viertel der Befragten angeben.

Berufliche Einstellungen
Um beruflich schneller voranzukommen, würde knapp die Hälfte der französischen Erwerbstätigen den Wohnort wechseln. 42 Prozent sagen darüber hinaus, dass sie alles daransetzen würden, schnell Karriere zu machen. In Deutschland sind dazu nicht einmal 30 Prozent der befragten Erwerbstätigen bereit. Dafür würde jeder dritte Deutsche, aber nur jeder fünfte Franzose, eigenes Geld und Zeit in sein berufliches Fortkommen investieren. Obwohl die Jobsicherheit in Frankreich niedriger eingeschätzt wird als in Deutschland, würde nur jeder fünfte Franzose, aber fast jeder dritte Deutsche, für einen langfristig sicheren Arbeitsplatz ein niedrigeres Gehalt in Kauf nehmen.

Führungsstil
Die Franzosen erwarten von ihren Vorgesetzten Führungsstärke: So finden 63 Prozent (Deutschland: 41 Prozent), dass Vorgesetzte den Mitarbeitern eindeutige Anweisungen geben sollten. Darüber hinaus dürfen sich Führungskräfte ihrer Meinung nach in ihrem Handeln nicht von abweichenden Vorstellungen oder äußeren Veränderungen beeinflussen lassen. Entscheidungsfreudigkeit und Durchsetzungsfähigkeit dagegen sind nur für jeden zweiten Franzosen, aber für 80 Prozent der Deutschen, charakteristische Führungseigenschaften. Souveränes Verhalten, zukunftsorientiertes Handeln und das Streben nach Konsens sollten jedoch sowohl nach der Mehrheit der Franzosen als auch der Deutschen wichtige Wertmaßstäbe für Führungskräfte bilden.

Viele französische Unternehmen basieren auf einer starken Hierarchisierung. Daher verwundert es wenig, dass nur etwa jeder fünfte Franzose - aber jeder dritte Deutsche - Hierarchien als Einschränkung empfindet. Trotz dieses strukturellen Unterschieds in der Unternehmensorganisation sind genauso viele Franzosen wie Deutsche (68 bzw. 67 Prozent) mit dem ihnen gewährten Handlungs- und Entscheidungsspielraum zufrieden. Auch glauben drei Viertel der Franzosen, ihre Führungskraft kritisieren zu können, ohne negative Konsequenzen erwarten zu müssen. 57 Prozent halten ihren Vorgesetzten sogar für so kritikfähig, dass er seine Führungsleistung durch eine anonyme Mitarbeiterbefragung bewerten lassen würde. Deutsche Manager scheinen nach Meinung ihrer Mitarbeiter insgesamt etwas weniger empfänglich für Kritik zu sein.

Karrierefaktoren
In französischen Unternehmen macht man vor allem aufgrund der eigenen Arbeitsleistung, der beruflichen Erfahrung, des Fachwissens und der Persönlichkeit Karriere. Eine geringere Bedeutung kommt nach Einschätzung der Befragten den Sprachkenntnissen, interkulturellen Kompetenzen, den persönlichen Beziehungen und dem gesellschaftlichen Status zu.

Internationale Mobilität
Am liebsten würden die Franzosen für ein amerikanisches, kanadisches oder englisches Unternehmen arbeiten, wenn sie die Wahl zwischen verschiedenen ausländischen Arbeitgebern hätten. Ein Unternehmen aus der Schweiz, aus Deutschland oder aus Spanien käme noch für über 40 Prozent der Franzosen in Frage. Für einen beruflichen Auslandsaufenthalt wären Kanada, die USA, Spanien, die Schweiz oder England Wunschziele. Nach Deutschland würden nur 31 Prozent der Franzosen aus beruflichen Gründen umziehen.