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Länderporträts
Internationale Mitarbeiterbefragung

Arbeitszufriedenheit und Führungsstile im internationalen Vergleich


Im Rahmen einer überbetrieblichen internationalen Mitarbeiterbefragung hat das geva-institut 11.000 Berufstätige aus 25 Ländern zu verschiedenen Merkmalen ihrer Arbeitszufriedenheit sowie zum bevorzugten Führungsstil befragt. 

In unseren Länderporträts stellen wir Ihnen regelmäßig Auszüge aus den Befragungsergebnissen zu den Themen Arbeitszufriedenheit und Führungsstil in einem bestimmten Land vor.

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Internationale Mitarbeiterbefragung Deutschland

Länderporträt Deutschland


Arbeitszufriedenheit und Führungsstil


  • Vergütung wichtigster Faktor der Arbeitszufriedenheit, aber nur jeder Dritte ist mit Gehalt zufrieden
  • Zusammenarbeit und Arbeitsinhalte werden positiv bewertet
  • Aufstiegschancen, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten lassen zu wünschen übrig
  • Führungskraft sollte Entschlusskraft, Durchsetzungsstärke und Souveränität zeigen

Allgemeine Arbeitszufriedenheit
Zwei von drei Deutschen erachten die Vergütung als einen der fünf wichtigsten Faktoren ihrer Arbeitszufriedenheit, allerdings zeigen sich nur 37 Prozent mit ihrem Gehalt auch tatsächlich zufrieden.


Internationale Mitarbeiterbefragung Deutschland.

Deutlich positiver bewerten Erwerbstätige in Deutschland die Zusammenarbeit mit ihren Kollegen: 79 Prozent bestätigen ein gutes Miteinander an ihrem Arbeitsplatz, 60 Prozent empfinden das Betriebsklima als gut. Beide Merkmale werden von den Deutschen auch vergleichsweise häufig (38 und 34 Prozent) zu den Top-Five-Faktoren der Arbeitszufriedenheit gezählt. Die Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen sowie mit der direkten Führungskraft scheint bei immerhin rund 58 Prozent einwandfrei zu funktionieren. Daneben stimmen die Arbeitsinhalte und die Sinnhaftigkeit der Tätigkeit über 70 Prozent der Befragten zufrieden, im internationalen Vergleich sind das zwei Spitzenwerte.

Kritisch gesehen werden von über Zweidritteln der Befragten die Aufstiegschancen im Unternehmen. Auch ihre Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten bewerten nur 38 Prozent als zufriedenstellend.

Berufliche Einstellungen
Zwei von drei Deutschen glauben ihren Job sicher. Allerdings denken nur rund 45 Prozent, nach einem Jobverlust schnell eine neue Arbeitsstelle finden zu können. Womöglich aus diesem Grund würde jeder zweite Deutsche es akzeptieren, mehr zu arbeiten und weniger zu verdienen, wenn sich dadurch seine berufliche Zukunft verbessert. Auch glauben rund 60 Prozent der deutschen Mitarbeiter, für gewöhnlich mehr zu leisten als eigentlich verlangt wird. Bei drohender oder bestehender Arbeitslosigkeit würde allerdings nur die Hälfte einen schlecht bezahlten Job annehmen.

Die Karriereambitionen sind bei den Deutschen nicht allzu stark ausgeprägt: Nur etwa 28 Prozent der Befragten würden alles daran setzen, um möglichst schnell Karriere zu machen. Nur wenige mehr würden aus beruflichen Gründen ihren Wohnort wechseln. Auch ist nur jeder Dritte bereit, eigenes Geld und Freizeit in sein berufliches Fortkommen zu investieren.

In dieses Bild fügen sich auch die schwachen Bestrebungen der Deutschen ein, für bessere berufliche Chancen das Unternehmen zu wechseln. Dies kommt nur für 31 Prozent in Frage. Eher ein Grund für einen Wechsel ist eine höhere Vergütung, wie 39 Prozent der Befragten angeben. Im internationalen Vergleich sind die Deutschen ihrem Unternehmen daher auffallend treu, was sicherlich auch daran liegt, dass sich beispielsweise 58 Prozent stark mit ihrem Unternehmen identifizieren und 66 Prozent mit dem Firmenimage zufrieden sind. Geschätzt werden von rund 69 Prozent übrigens auch die Kunden- und die Qualitätsorientierung ihres Unternehmens.

Führungsstil
Sogenannte Alpha-Typen sind in Führungspositionen deutscher Unternehmen gerne gesehen: 80 Prozent der Arbeitnehmer erwarten hierzulande von ihren Chefs Entschlusskraft und Durchsetzungsstärke, 82 Prozent wollen souveräne Chefs. 41 Prozent finden darüber hinaus, dass ihr Vorgesetzter sich in seinem Handeln auch nicht von abweichenden Vorstellungen oder äußeren Veränderungen beeinflussen lassen sollte.

Nichtsdestotrotz machen in den Augen der Deutschen auch weichere Faktoren einen guten Chef aus: Drei Viertel der Befragten sind der Auffassung, dass sich eine Führungskraft von ihrer Intuition leiten lassen und nach Konsens streben sollte. Sie sollte darüber hinaus Wert auf Gleichbehandlung, Solidarität und ein gutes Betriebsklima legen.

Die Deutschen arbeiten gerne selbstverantwortlich. Dementsprechend sagen drei von vier Befragten, dass eine Führungskraft ihren Mitarbeitern nur grundlegende Handlungsrichtlinien vorgeben sollte. Umso positiver ist zu sehen, dass zwei von drei Mitarbeitern mit dem ihnen zugedachten Handlungs- und Entscheidungsspielraum zufrieden sind. Allerdings dürfen deutsche Chefs ruhig noch mehr loben: Nur die Hälfte der Deutschen hat das Gefühl, dass ihre Arbeitsleistung wertgeschätzt wird.

Teilnahmebereitschaft bei Mitarbeiterbefragungen
62 Prozent der Deutschen erwarten von ihrer Führungskraft Toleranz. Dementsprechend glauben 55 Prozent, ihren Chef bei Meinungsverschiedenheiten auch einmal kritisieren zu können, ohne mit negativen Konsequenzen rechnen zu müssen. Dennoch scheint die Kritikfähigkeit bei den deutschen Führungskräften nicht ganz so stark ausgeprägt zu sein, wie in vielen anderen Ländern: Nur 35 Prozent der Deutschen glauben nämlich, dass ein Chef sein Führungsverhalten oder die Arbeitszufriedenheit seiner Mitarbeiter über eine anonyme Mitarbeiterbefragung bewerten lassen würde. Auf der anderen Seite würden aber 88 Prozent der Deutschen in einer anonymen Mitarbeiterbefragung ehrlich antworten und ihre Meinung offen sagen.

Karrierefaktoren
Als Karrierefaktoren gelten in Deutschland nach Angaben der Befragten vor allem das Fachwissen, die Arbeitsleistung sowie die berufliche Erfahrung. Als weniger entscheidend werden soziale Kompetenzen wie Teamgeist und Fairness empfunden. Auch Sprachkenntnisse und interkulturelle Kompetenzen werden nur von wenigen als besonders karriereförderlich erachtet.

Internationale Mobilität
69 Prozent der deutschen Erwerbstätigen sind bereit, für ein ausländisches Unternehmen zu arbeiten. Präferiert werden amerikanische, schweizerische, englische und kanadische  Arbeitgeber. Für einen beruflichen Auslandsaufenthalt würden die meisten Deutschen die USA, die Schweiz, England, Schweden oder die Niederlande wählen.