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Internationale Mitarbeiterbefragung

Arbeitszufriedenheit und Führungsstile im internationalen Vergleich


Im Rahmen einer überbetrieblichen internationalen Mitarbeiterbefragung hat das geva-institut 11.000 Berufstätige aus 25 Ländern zu verschiedenen Merkmalen ihrer Arbeitszufriedenheit sowie zum bevorzugten Führungsstil befragt. 

In unseren Länderporträts stellen wir Ihnen regelmäßig Auszüge aus den Befragungsergebnissen zu den Themen Arbeitszufriedenheit und Führungsstil in einem bestimmten Land vor.

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Internationale Mitarbeiterbefragung China

Länderporträt China


Arbeitszufriedenheit und Führungsstil 


  • Nur wenige Chinesen sind mit ihrem Gehalt zufrieden, obwohl die Vergütung für die meisten zu den wichtigsten Faktoren ihrer Arbeitszufriedenheit zählt.
  • Es besteht eine hohe Karriereorientierung.
  • Führungskräfte sollen entscheidungsfreudig, souverän und durchsetzungsfähig sein.
  • Neben der Arbeitsleistung zählen persönliche Beziehungen und Netzwerke zu den größten Karrierefaktoren.


Im internationalen Vergleich sind Erwerbstätige in China mit ihrer Arbeit eher unzufrieden, wie eine überbetriebliche Mitarbeiterbefragung des geva-instituts in 25 Ländern ergab. Während Mexiko, die Schweiz und die USA den höchsten Arbeitszufriedenheitsindex erreichten, bildete China vor Südkorea und Japan das Schlusslicht. Deutschland nahm Rang 6 ein.


Allgemeine Arbeitszufriedenheit
Warum die Chinesen mit ihrer Arbeit im Allgemeinen eher unzufrieden sind, resultiert aus unterschiedlichen Faktoren. Ein Grund ist beispielsweise die Vergütung, die für drei Viertel der Befragten zwar zu den fünf wichtigsten Einflussgrößen ihrer Arbeitszufriedenheit zählt, aber nur 22 Prozent auch tatsächlich zufrieden stellt. Weitere Arbeitsmerkmale, die für die meisten Erwerbstätigen in chinesischen Unternehmen zu wünschen übrig lassen, sind die Aufstiegsmöglichkeiten, der Führungsstil sowie die Entscheidungsprozesse.


Internationale Mitarbeiterbefragung China.

Positiv bewerten Angestellte in China die Zusammenarbeit in ihrem Unternehmen: 65 Prozent der Befragten bestätigen ein gutes Miteinander unter den Kollegen, 52 Prozent schätzen die Kooperation mit anderen Abteilungen, 48 Prozent arbeiten gut mit ihrer direkten Führungskraft zusammen.

Berufliche Einstellungen
Chinesen wollen Karriere machen: So geben 59 Prozent der Befragten an, alles zu tun, um beruflich möglichst schnell voranzukommen - in Deutschland stimmen gerade einmal 28 Prozent dieser Aussage zu. Fast jeder zweite chinesische Mitarbeiter würde daher beispielsweise eigenes Geld und Freizeit in sein berufliches Fortkommen investieren, 43 Prozent würden für eine bessere berufliche Zukunft sogar bei geringerem Gehalt mehr arbeiten. Daneben ist unter den Chinesen die Bereitschaft vergleichsweise hoch, das Unternehmen zu wechseln: 54 Prozent der Befragten würden einen neuen Arbeitsvertrag anstreben, sobald sich ihnen dazu eine gute Gelegenheit bietet. Die Mehrheit verbindet mit einem Arbeitgeberwechsel eine höhere Vergütung.

Weil zwei von drei Chinesen sich keine Sorgen um Arbeitslosigkeit machen und drei Viertel davon ausgehen, jederzeit schnell eine neue Stelle finden zu können, sind in China nur wenige Erwerbstätige bereit, finanzielle Abstriche zu machen: Für nicht einmal jeden Fünften wäre ein langfristig sicherer Arbeitsplatz ein Grund, ein geringeres Gehalt in Kauf zu nehmen. Und nur 15 Prozent würden einen schlecht bezahlten Job annehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden.


Führungsstil
In China sind sogenannte Alpha-Typen in Führungspositionen gerne gesehen: Vier Fünftel der Arbeitnehmer erwarten von ihren Chefs Entschlusskraft, Durchsetzungsstärke und Souveränität. 38 Prozent der Chinesen finden darüber hinaus, dass ihr Vorgesetzter sich in seinem Handeln nicht von abweichenden Vorstellungen oder äußeren Veränderungen beeinflussen lassen sollte.

Nichtsdestotrotz machen in den Augen der Chinesen auch weichere Faktoren einen guten Chef aus: 83 Prozent der Befragten sind der Auffassung, dass sich eine Führungskraft von ihrer Intuition leiten lassen und nach Konsens streben sollte. Darüber hinaus sollte sie Wert auf Gleichbehandlung, Solidarität und ein gutes Betriebsklima legen. Drei Viertel erwarten von ihrem Vorgesetzten außerdem Toleranz.

Chinesische Mitarbeiter bevorzugen ein selbstständiges Arbeiten: 71 Prozent befürworten es, wenn ihnen ihre Führungskraft nur grundlegende Handlungsrichtlinien vorgibt. Gleichzeitig sind aber nur 40 Prozent der Chinesen mit dem ihnen am Arbeitsplatz zugeteilten Handlungs- und Entscheidungsspielraum auch tatsächlich zufrieden. 64 Prozent empfinden sogar die in ihrem Unternehmen bestehenden Hierarchien als Einschränkung ihrer Tätigkeit. Daher resultiert vielleicht auch die vergleichsweise niedrige Quote von 31 Prozent der Befragten, die mit dem Führungsstil in ihrem Unternehmen zufrieden sind.

Spontaneität scheint in China keine Führungsqualität zu sein: Lediglich zwölf Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass ein Vorgesetzter seine Entscheidungen auch spontan treffen darf. Auch Kritikfähigkeit gehört laut Befragungsergebnis nicht zu den Vorzügen chinesischer Führungskräfte, obwohl die Mehrheit der Befragten auf demokratische Prinzipien im Führungsstil Wert legt: Nur 38 Prozent können ihren Chef bei einer Meinungsverschiedenheit kritisieren, ohne weitere Konsequenzen fürchten zu müssen. Auch glaubt nur ein Drittel, dass in China Vorgesetzte ihre Führungseigenschaften durch eine anonyme Mitarbeiterbefragung bewerten lassen würden.

Dass persönliche Beziehungen in China eine besonders große Rolle spielen, wird dadurch deutlich, dass nur jeder Zweite der Auffassung ist, dass die Leistung eines Mitarbeiters für einen Chef mehr zählen sollte als die persönliche Beziehung zu ihm. In Deutschland stimmen 74 Prozent der Befragten dieser Aussage zu.

Karrierefaktoren
Darüber hinaus gelten in China nach Angaben der Befragten nicht nur die erbrachte Arbeitsleistung, sondern auch die guten Beziehungen zu anderen und die persönlichen Netzwerke als maßgebliche Karrierefaktoren. Die berufliche Erfahrung oder das Fachwissen - Hauptfaktoren in deutschen Unternehmen - folgen erst an dritter und vierter Stelle. Intelligenz und Persönlichkeit werden von sehr wenigen Befragten als karrierefördernd betrachtet.

Internationale Mobilität
Die internationale Mobilität chinesischer Mitarbeiter ist sehr schwach ausgeprägt: Nur 37 Prozent würden für ein ausländisches Unternehmen arbeiten. Auch einer ausländischen Führungskraft steht nur jeder Dritte positiv gegenüber.

Wenn jedoch ein ausländischer Arbeitgeber gewählt würde, wäre das für 81 Prozent der Befragten ein amerikanisches Unternehmen. Ein deutscher Arbeitgeber käme für 53 Prozent in Frage. Für einen beruflichen Auslandsaufenthalt würden 72 Prozent die USA zu ihren Top-Five-Zielen wählen, 49 Prozent würden gerne nach Frankreich gehen. Deutschland ist für 44 Prozent der Chinesen eine mögliche Alternative.