Hüttenwerke Krupp Mannesmann
Die Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH (HKM) gehören mit ihren Anteilseignern zu den führenden Stahlherstellern in Europa. HKM liefert ausschließlich Vormaterial von Brammen- und Rundstrangguss an die Gesellschafter Thyssen Krupp Steel AG, Salzgitter Mannesmann GmbH und Vallourec & Mannesmann Tubes S.A., die daraus in ihren Weiterverarbeitungsbetrieben Fertigprodukte jeglicher Art herstellen.
 

Gestärkt in den Aufschwung - Fortsetzung


Genügend Zeit für Veränderung

Besonders hoch war der Informationsbedarf bei den Führungskräften. Sie hatten in den Monaten vor der Befragung ihren Teams zahlreiche unangenehme Maßnahmen mitteilen müssen. Daher wollten sie alle kritischen Fragen zur Mitarbeiterbefragung bestmöglich beantworten können. Zudem befürchteten sie, bedingt durch ihre Rolle als Überbringer schlechter Nachrichten, auch eine schlechte Bewertung ihrer Führungsleistung. Es gab daher zahlreiche Informationsveranstaltungen mit einer Aufnahme aller Anliegen und der Beantwortung offener Fragen durch die Geschäftsführung und das Projektteam. "In guten wie in schlechten Zeiten muss für eine Mitarbeiterbefragung die Akzeptanz erst geschaffen werden", so die Einschätzung von Karin Aust, bei HKM für Kommunikation und Organisationsentwicklung verantwortlich. "Der Sinn und Nutzen will erklärt sein, Misstrauen und Zweifel müssen durch Information und Kommunikation abgebaut werden. Außerdem ist die Unterstützung des Betriebsrats von großer Bedeutung, den wir von  Anfang an in das Projektteam eingebunden hatten."

Letztlich hat sich die Aufklärungsarbeit gelohnt und die Mitarbeiterbefragung wurde von Führungskräften und Mitarbeitern gleichermaßen als ein Instrument gesehen, um aus der Krise gestärkt hervorzugehen. Zwei Drittel der rund 3200 Mitarbeiter haben sich an der Befragung beteiligt und ihre Antworten waren weder von Krisengefühlen geprägt noch beschönigt. Anhand der Ergebnisse konnten die Handlungsfelder aufgezeigt werden, die das Unternehmen dauerhaft Reibungsverluste kosten. Nun wird ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess eingeleitet, in dessen Verlauf die vorhandenen Stärken weiter ausgebaut und die Schwächen ausgeglichen werden. Der Fortschritt der Maßnahmenumsetzung wird alle drei Monate mit der Geschäftsführung diskutiert. In regelmäßigen Wiederholungsbefragungen werden die erreichten Verbesserungen langfristig evaluiert.

Neue Kraft gesammelt

Die Mitarbeiterbefragung hat erfolgreich die Aufmerksamkeit der Geschäftsführung wie auch der Mitarbeiter auf wichtige und notwendige Vorhaben gelenkt. Diese insbesondere in Zeiten der Kurzarbeit anzugehen, wenn es im Unternehmen etwas ruhiger zugeht, ist eine sinnvolle Verwendung freiwerdender Ressourcen. Das Unternehmen möchte verstärkt qualifizieren, und zwar nicht bei den Akademikern, sondern bei den geringer ausgebildeten Mitarbeitern. Dazu ist eine entsprechende Qualifizierungskultur notwendig, denn Qualifizierung soll nicht mehr nur als Anpassung, beispielsweise bei der Einführung einer neuen Maschine, sondern als Wert an sich verstanden werden. "Mit der Mitarbeiterbefragung konnten wir objektiv messen, wie sich das Führungsverhalten, das Mitarbeiterverhalten und das Betriebsklima insgesamt darstellen", so Gasse. "Denn diese Faktoren geben letztlich den Ausschlag, ob Weiterbildungsangebote von den Mitarbeitern überhaupt angenommen werden."

Nicht zuletzt war die Mitarbeiterbefragung auch ein Stimmungsaufheller und hat für etwas Zukunftsoptimismus gesorgt. Die Mitarbeiter waren neugierig auf die Ergebnisse und Projektleiterin Aust hat erkannt, dass gerade in schlechten Zeiten eigentlich jeder mehr denn je daran interessiert ist, positiven Einfluss zu nehmen und zu handeln: "Nach einer Zeit des Schocks und der Lähmung bestand bei den Mitarbeitern das Bedürfnis, die Ärmel hochzukrempeln und etwas Sinnvolles zu tun." Bei der Einführung von Veränderungsmaßnahmen kann man bei HKM nun auf die volle Unterstützung der Mitarbeiter zählen, denn die Überzeugungsarbeit ist bereits geleistet worden. "Wir konnten mit der Mitarbeiterbefragung in der Mannschaft eine Stimmung erzeugen, die lautet: Die Krise schaffen wir, da rudern wir gemeinsam durch", sagt auch Geschäftsführer Gasse. "Jetzt über Zukunft reden, das erzeugt Optimismus."

Das Richtige tun, um beim Konjunkturaufschwung perfekt aufgestellt zu sein: Die Hüttenwerke Krupp Mannesmann haben ihre Hausaufgaben gemacht.

Autorin: Anke Schneider, geva-institut

Quelle: Der Artikel ist in Zusammenarbeit mit der Personalwirtschaft entstanden und in der Ausgabe 11/2009 erschienen. Hier können Sie den Originalbeitrag als PDF-Dokument ansehen.